FC Kreuzlingen steht nach Aufstieg in die Promotion League vor einer schweren Saison, ist sich aber seiner Stärken bewusst
Es war der grösste Erfolg der jüngeren Vereinsgeschichte, die harte Arbeit hat sich gelohnt. Der FC Kreuzlingen ist aus der 1. Liga in die Promotion League aufgestiegen und spielt nun auf nationaler Ebene. Der Ligaerhalt wird nicht leicht, auch durch die praktizierte Transferpolitik.
Kreuzlingen Der Aufstieg in die Promotion League sei der Lohn für die harte Arbeit der vergangenen Jahre. «Natürlich wollen wir Euphorie in die neue Saison mitnehmen, auch wenn wir finanziell immer noch nicht da sind, wo wir hin wollen», blickte FCK-Präsident Bujar Emini zurück und voraus. Es sei weiterhin eine grosse Herausforderung, die Finanzen im Griff zu behalten. «In der abgelaufenen Saison wurde ein Minus von 90’000 Franken budgetiert, am Ende stand ein Minus von 40’000 Franken.» Man habe also das Minus um 50’000 Franken reduzieren können, die Entwicklung mache Hoffnung auf eine schwarze Null in der näheren Zukunft.
Für die neue Saison in der Promotion League habe sich das Budget nicht verändert, trotz der höheren Kosten, die mit dem Aufstieg verbunden sind. Dazu gehören die Verbandkosten, Schiedsrichterkosten oder Carkosten für die Auswärtsfahrten. «Wir erlauben uns keinen Luxus, wir haben uns in einer starken 1. Liga-Gruppe behauptet und sind am Ende verdient aufgestiegen», so Emini. Kein Spieler komme des Geldes wegen nach Kreuzlingen. «Wir gehen nachhaltig mit den wenig vorhandenen Beträgen um. Da hilft es sicher auch, dass wir einige Unternehmer im Vorstand haben. Dazu sind wir nach wie vor auf der Suche nach weiteren Sponsoren, auch wenn wir hier schon einige Neue gefunden haben.»
Leistungsträger bleiben erhalten
Am Kader für die neue Saison hat sich ein bisschen etwas verändert. «Wir haben etwa sechs Spieler im Kader, die schon mindestens sechs bis acht Jahre mit dabei sind, wie ich auch», erklärte Sportchef und Trainer Kürsat Ortancioglu. So auch Abbas Karaki, der seit sieben Jahren beim FC Kreuzlingen spielt, seit vier Jahren sogar als Captain. «Natürlich habe ich einige Angebote bekommen um zu wechseln. Nach dem Aufstieg war für mich aber klar, dass ich hier bleibe, ich möchte schliess-lich niemanden im Stich lassen», so Karaki. Generell sei der Zusammenhalt in der Mannschaft gross, viele hätten die beiden Aufstiege mitgemacht. Dennoch sei es eine grosse Herausforderung als Amateurmannschaft gegen Profi- und Halbprofi-Teams zu bestehen. «Es wird für die Spieler eine grosse Belastung, vor allem körperlich. Schliesslich sind all unsere Spieler voll berufstätig und kommen abends nach der Arbeit noch ins Fussballtraining» betonte Kürsat Ortancioglu. Doch der Ehrgeiz das Bestmögliche herauszuholen sei bei allen gross. Kein Spieler möchte absteigen, dafür werde man hart arbeiten.
Der eigenen Linie treu geblieben
Beim Thema Neuzugänge hat man sich beim FC Kreuzlingen auf das Erfolgsrezept der vergangenen Jahre besonnen und bleibt weiterhin dabei, sich auf regionale Neuzugänge zu konzentrieren. «Uns ist es wichtig, dass kein Spieler den Wohnort wechseln muss, um beim FC Kreuzlingen zu spielen», hebt Kürsat Ortancioglu die Bedeutung der Regionalität hervor. Neu zum Verein stossen Lars Musa und Pascal Geisselhardt (beide FC Tägerwilen), Jeremy Chukwudum (FC St. Gallen U19), Elia Bartolomeo (FC St. Gallen U21), Gabriel Selmanaj (FC Winterthur U21), Lukas Zwahlen (YF Juventus) sowie Enrique Wild (FC Bulle) und Arbnor Hasani (FC Schaffhausen). «Enrique Wild kommt ursprünglich aus der Region und will nach seiner Zeit beim FC Bulle wieder zurück in die Heimat. Arbnor Hasani war zuletzt vom FC Schaffhausen an den FC Rapperswil ausgeliehen. Er möchte nicht weiter als Profi aktiv sein und hat einen neuen Job angefangen. Er hat sich um eine Stelle beworben, die zufälligerweise von einem Staff-Mitglied vergeben wurde. Er hat die Stelle bekommen mit der Bedingung, bei uns zu spielen», lacht Ortancioglu.
Zu den Abgängen gehören Sven Bode (SC Konstanz-Wollmatingen), Altin Rrakaqi, Altan Sayar, Mido Arifagic und Philipp Juchli (alle Ziel unbekannt). Welche Aufmerksamkeitder FC Kreuzlingen gewonnen hat, wird deutlich an der Vielzahl an Nachrichten auf dem Handy des Sportchefs. «Ich werde regelmässig angerufen und es werden uns zahlreiche Spieler angeboten. Das heisst natürlich auch, dass unsere Arbeit gesehen wird und viele Spieler Lust auf den FC Kreuzlingen haben.»
Das Team ist überzeugt davon, die schwere Aufgabe, die in der Promotion League auf sie zukommt, zu meistern. «Die Mannschaft will ganz sicher oben bleiben. Niemand kommt hierher und sagt, wir steigen wieder ab. Ich bin mir sicher, dass wir am Saisonende den Ligaerhalt feiern können», betont Abbas Karaki.
Mehr Zuschauer erwartet
Die Infrastruktur im Hafenareal sei für die Promotion League noch ausreichend. «Wünsche sind immer da, gerade mit Blick auf eine mögliche Sanierung der Bodensee-Arena hoffen wir, dass eventuell in Richtung Tribüne etwas geht», so Bujar Emini. Mit dem Aufstieg hoffe der FCK-Präsident natürlich auf noch mehr Zuschauerinnen und Zuschauer, wenngleich durch die weiteren Anfahrten mit weniger Auswärtsfans gerechnet werde. «Wir spielen nun nicht mehr nur regional sondern national. Dass an einem Wochenende gerade aus der Westschweiz weniger Fans mitreisen, damit müssen wir uns wohl abfinden.» Grundsätzlich freue man sich aber immer über volle Ränge, tragen die Zuschauer auch ihren Teil zum Erfolg bei. Bei den Ticketpreisen musste der FC Kreuzlingen etwas nachjustieren, der Eintritt kostet neu zwölf Franken statt bisher zehn Franken.
Nachwuchsarbeit wird wichtiger
Für die kommende Saison hat der FC Kreuzlingen 20 Mannschaften gemeldet. Dies sind neben der 1. Mannschaft und den Senioren 30+ gleich 18 Jugendteams, darunter zwei Mädchenmannschaften. «Die Strukuren sind da, nun geht es für uns darum, die Qualität im Nachwuchsbereich kontinuierlich zu verbessern. Wir wollen mit den Nachwuchsteams in die höchste Liga, auch um irgendwann eigene Jugendspieler an unsere 1. Mannschaft heranzuführen», so Emini. Auch im Mädchenfussball, der gerade von der EURO im eigenen Land profitiert, stellt der FC Kreuzlingen zwei Teams, bei den FF-17 und FF-14. «Hier sind wir in der Anfangsphase, um mit dem FC Münsterlingen eine Partnerschaft im Mädchenfussball zu besprechen.» Grundsätzlich sind alle Jugendspieler beim FC Kreuzlingen willkommen, es wird niemand weggeschickt. Hier sei es nur wichtig, genügend Trainer für die Teams zu stellen. Auch Mädchen, die aktuell nicht in die Altersklasse der Mädchenteams passen, dürfen so lange bei den Jungs mitspielen.
von Nico Wrzeszcz

