Kürsat Ortancioglu hat in knapp acht Jahren als Trainer und Sportchef beim FC Kreuzlingen unruhige Zeiten durchlebt. Mittlerweile zählen die Ostschweizer zum Establishment der Gruppe 3.
Wie gefestigt eine Mannschaft ist, zeigt sich häufig an ihrer Reaktion auf Rückschläge. Nimmt man diese Qualität als Massstab, darf man den FC Kreuzlingen definitiv als grosse Mannschaft bezeichnen: Seit der 1:2-Heimniederlage in der 3. Runde gegen den FC Linth resultierten dreizehn Punkte aus fünf Partien. Mit einem Torverhältnis von 13:2.
Damit stehen die Thurgauer aktuell auf Platz 2, punktgleich mit Leader YF Juventus. «Von der Punkteausbeute her sind wir absolut zufrieden», sagt Trainer Kürsat Ortancioglu, «wir haben zwar noch Luft nach oben, aber das ist zu diesem Zeitpunkt der Saison normal.» Er weiss auch, dass es in dieser ausgeglichenen Gruppe rasch in die eine oder andere Richtung gehen kann: «Wenn wir nicht am Limit spielen, wird es eng.»
Der Spagat zwischen Offensive und Defensive gelingt
Eine Tatsache sticht besonders hervor: Kreuzlingen hat in den ersten sieben Partien gerade einmal sechs Gegentore kassiert – ein hervorragender Wert. Und Goalie Fabian Fellmann ist mittlerweile seit 350 Minuten unbezwungen. Diese Werte seien kein Zufall, sagt der Coach: «Wir haben taktisch ein wenig umgestellt und sind dadurch stabiler geworden.»
Grundsätzlich steht der FC Kreuzlingen aber für eine andere Ausrichtung. Die Ostschweizer setzen auf Angriffsfussball, wie er der Philosophie des Trainers entspricht, der auch schon öffentlich erklärte, Geduld sei nicht seine Stärke. «Wir wollen weiterhin offensiv spielen», sagt Ortancioglu. Dass dieser Spagat gegenwärtig gut gelingt, belegen die 19 Plustore – einzig YF Juventus und Tuggen haben noch eines mehr erzielt.
«Eigentlich wollte ich das nur kurz machen…»
Kürsat Ortancioglu ist in der Hafenstadt mittlerweile eine Institution. Zum Club gestossen ist der Trainer im Januar 2017, der Verein belegt damals in der 2. Liga Interregional Platz 8. Dank einer starken Rückrunde gelingt der Sprung auf Platz 3.
Fortan stehen aber aufgrund finanzieller Schwierigkeiten einige Probleme im Vordergrund. Es stellt sich sogar die Frage, ob die erste Mannschaft zurückgezogen werden soll. Man entscheidet sich aber dagegen und dafür, die Herausforderungen anzugehen und den Gürtel massiv enger zu schnallen. Ortancioglu wird auch Sportchef. Er lacht: «Eigentlich wollte ich das nur für eine kurze Zeit machen, jetzt bin ich es immer noch.»
Heute steht der Verein nicht nur sportlich stabil da – auf allen Ebenen stimmt das Fundament. Drei Faktoren hätten vor allem zu dieser Entwicklung geführt, sagt Ortancioglu: «Die Sparmassnahmen, die Tatsache, dass wir während den Covid-Zeiten kaum Ausgaben hatten und dass wir immer realistische Ziele verfolgt haben.» An der Spitze des Vereins stand stets Daniel Geisselhardt, der nun im Sommer das Präsidium nach 16 Jahren an den ebenfalls bestens verankerten Bujar Emini abgegeben hat. Und was Ortancioglu nicht erwähnt: Ohne sein persönliches Engagement wäre der Aufschwung kaum möglich gewesen. Er sei «ein Glücksfall» für den Klub, hatte der heutige Ehrenpräsident Geisselhardt im Sommer in einem Interview gesagt, er sei der Vater des Erfolgs und bringe den gesamten Verein weiter.
Sportlich ging es auch in den Jahren der Turbulenzen kaum je nach unten. In der 2. Liga Interregional gehörte das Team konstant zur Spitze, schliesslich erfolgte der Aufstieg 2022. In der letzten Saison, gerade einmal der zweiten in der vierthöchsten Liga, verblüffte der FCK weiter. Er führte im Herbst sogar die Tabelle an, blieb bis zuletzt im Rennen um die Playoff-Plätze und macht nun da weiter, wo er aufgehört hat. «Die Entwicklung zeigt immer in die richtige Richtung», freut sich Ortancioglu.
Das honoriert man auch in der Region. Der FC Kreuzlingen, der auch über eine prosperierende Frauenabteilung verfügt und im Projekt «Bodensee-Kickers» Menschen mit physischer oder mentaler Beeinträchtigung Einsatzmöglichkeiten bietet, ist die Nummer 1 im Kanton Thurgau und kann auf viel Euphorie und Goodwill zählen.
Damit lassen sich hohe Ziele anvisieren wie eine erneute Promotion. Diese würde erneute Herausforderungen vor allem finanzieller Natur mit sich bringen, aber auch zusätzliche Attraktivität generieren. Kürsat Ortancioglu hat für sich selber noch eine Hoffnung: «Ich würde gerne noch einen Aufstieg mit dem FC Kreuzlingen feiern.» Den Zeitrahmen gelte es noch abzustecken, fügt er lachend an: «Nicht in acht Jahren, sondern in den nächsten ein, zwei Jahren.» (mke)
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