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Thurgauer Zeitung mit Rückblick auf die 1. Liga- Vorrunde des FC Kreuzlingen

Bild Mario Gaccioli (23. Oktober 2022)

«Fühlt sich an wie Abstiegskampf»: Aufsteiger FC Kreuzlingen überwintert über dem Strich, doch das ist trügerisch

Trainer Kürsat Ortancioglu führte den FC Kreuzlingen in der Hinrunde der 1. Liga auf den guten zwölften Rang. Doch die Klassierung birgt für den Liganeuling Gefahren, denn die Punkte sagen weitaus mehr aus.

Die Zwischenbilanz des Aufsteigers lässt sich sehen. Aus den ersten 16 Runden in der 1.-Liga-Gruppe 3 resultierten für den FC Kreuzlingen sechs Siege. Mit ihren 18 Punkten belegen die Thurgauer Rang zwölf, sind drei Plätze oberhalb der Abstiegszone klassiert. Nicht schlecht für einen Liganeuling, der praktisch mit der gleichen Mannschaft wie noch in der 2. Liga interregional angetreten war. Wenn da nur nicht diese aussergewöhnlich ausgeglichene Meisterschaft wäre in dieser Saison.

In anderen Jahren hätte der FCK mit dieser Hinrundenbilanz ein beruhigendes Polster auf die beiden Abstiegsplätze gehabt. Doch in diesem Herbst ist einiges anders. Kreuzlingens Vorsprung auf die derzeit abstiegsgefährdeten Eschen/Mauren und Freienbach beträgt nur drei respektive vier Punkte. Eine Baisse in der Rückrunde reicht, und der FC Kreuzlingen gerät in arge Nöte.

Die Spieler sehen sich nicht als typische Aufsteiger

So erstaunt es nicht, dass bei Trainer und Sportchef Kürsat Ortancioglu trotz teils starker Auftritte des Aufsteigers keine grosse Euphorie aufkommt. Ortancioglu sagt: «Es fühlt sich an, als wären wir im Abstiegskampf.» Das Gefühl wird dadurch verstärkt, dass sich die Spieler in den vergangenen Jahren gewohnt waren, stets an der Spitze mitzuspielen. «Wir sehen uns nicht als Aufsteiger, der ab und an eine Partie verlieren kann», so der Trainer. «Meine Jungs sind nach jeder Niederlage sehr enttäuscht, auch wenn der Gegner Favorit war.»

Die sechs Siege als Liganeuling weiss Ortancioglu aber zu schätzen. «Vor dem Saisonstart habe ich gesagt, dass wir auf gutem Weg wären, wenn wir sechs, sieben Siege holen würden. Insofern bin ich in der Winterpause nun grundsätzlich zufrieden, auch wenn wir den einen oder anderen Sieg mehr hätten holen können.» Die fehlende Erfahrung auf diesem Niveau ist für den FC Kreuzlingen frappant. Ortancioglu sagt: «Alle Fehler, die wir begangen haben, führten zu Gegentoren.» Etwas, das sich die Thurgauer aus der 2. Liga interregional nicht gewohnt waren. «Doch wir gewinnen mit jedem Spiel Erfahrung dazu», so der Trainer.

Der FC Kreuzlingen bewegt sich am Limit

Kürsat Ortancioglu ist überzeugt, dass der FC Kreuzlingen in der 1. Liga am richtigen Ort ist. «Wir fühlen uns wohl hier.» Zwar habe man in der Hinrunde ans Limit gehen müssen, doch das habe die Mannschaft mit dem Aufstieg auch gesucht. «Und das wird sich in der Rückrunde wohl nicht ändern.» Psychologisch erachtet es Ortancioglu als Vorteil, dass der FCK oberhalb des Trennstrichs überwintert. Er schätzt den knappen Vorsprung auf die Abstiegsplätze auch nicht als gefährlich ein. «Das wäre es eher, wenn wir schon sechs, sieben Punkte Vorsprung hätten.»

Bis zum Rückrundenstart am 25. Februar heisst es nun regenerieren. Die Kreuzlinger befinden sich seit dem 20. Januar dieses Jahres auf dem Fussballplatz, hatten wegen des Aufstiegs nur eine Woche Sommerpause. Am 9. Januar 2023 nimmt das Team, dessen Kern gemäss Ortancioglu zusammenbleibt, das Training wieder auf.

Das schlechte Terrain favorisiert vor allem die Gegner

Wegen der Modernisierung des Hauptplatzes muss der FC Kreuzlingen seine Meisterschaftsspiele vorerst auf einem Nebenplatz des Hafenareals austragen. Hiess es zu Beginn noch, dass der suboptimale Zustand von Platz 2 vor allem den Gegnern zu schaffen machen könnte, stellte sich das als Bumerang heraus. Kreuzlingens Trainer Kürsat Ortancioglu musste darob schmunzeln, da er dies von Anfang an vermutete. «Wir sind nicht eine besonders robuste Truppe», sagt er. «Wir leben von unserem fussballerischen Können, sind für unsere technischen Fertigkeiten auf einen möglichst guten Platz angewiesen.» Noch so gerne hätten Ortancioglu und seine Spieler die Meisterschaftspartien deshalb auf dem Kunstrasenplatz ausgetragen. Doch dieser entspricht mit seinen knappen Massen nicht den Anforderungen der 1. Liga. So sagt Ortancioglu: «Wir werden beim FC Kreuzlingen nach dem Umbau des Hauptplatzes die perfekte Infrastruktur haben, aber dafür müssen wir zuerst sprichwörtlich durch den Dreck.»

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Bericht Thurgauerzeitung